Anschläge in Paris – Unsere Solidarität muss praktisch werden!

In der Nacht vom 13. auf den 14.11.2015 gab es in Paris Terroranschläge, bei denen mindestens 120 Menschen ermordet wurden. Auch wenn selbst zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum etwas über diejenigen bekannt ist, die für die Anschläge verantwortlich waren, war der Tenor in den Medien schon nach Minuten klar: Es war ein islamistisches Attentat. Nicht zuletzt wegen der französischen Luftschläge in Syrien, in Mali und im Irak sei die Gefahr von terroristischen Anschlägen in Frankreich erhöht. Das mag stimmen und die Indizien dafür mehren sich. Unsere Gedanken aber sind nicht zuerst bei den Tätern, sondern bei den Opfern von Paris. Jeder ermordete Mensch ist einer zu viel!

Unsere Gedanken sind aber auch bei allen anderen Menschen, die durch die Gewalt in nicht nur in Westasien und Nordafrika zu Tode gekommen sind, die Freund*innen und Familie verloren haben, in Kriegsgebieten oder auf der Flucht nach Europa. Auf der Flucht in ein abgeschottetes Europa, das es diesen Menschen schwer macht, der alltäglichen Bedrohung zu entkommen, indem es sie nicht auf sicheren Routen einreisen lässt, indem es Milliarden in die Grenzsicherung steckt statt in die Hilfe für Geflüchtete. Auf der Flucht in ein Europa, das diese Menschen nicht aufnehmen will, sondern sie in Lager fercht und möglichst schnell loszuwerden versucht. In ein Deutschland, das wieder mehr Menschen nach Afghanistan abschieben möchte und in dem fast jeden Tag Unterkünfte von Geflüchteten in Flammen stehen.

Wir könnten hoffen, dass nun mehr Leute verstehen, wieso so viele Menschen nach Europa flüchten und dabei alle und alles zurücklassen. Das sind Entscheidungen, die niemand leichtfertigt trifft, das sind Entscheidungen aus größter Not und Bedrohung.

Aber leider führen die Anschläge offenbar nicht zu einem Umdenken unter den selbsternannten besorgten Bürgern. Stattdessen verschärft sich der islamophobe Ton. Auf der Facebook-Seite von Pegida wurde etwa von verschiedenen Usern gefordert, alle Moscheen zu schließen oder noch besser abzubrennen. Die Kommentare erhielten teilweise mehrere hundert Likes. Personifizierte Kritik richtet sich gegen „die Volksverräterin Angela Merkel“, die dafür verantwortlich sei, dass „Terroristen unregistriert hier rumlaufen. Wir holen uns alle ins Land“. Wer solche rassistischen Tiraden von sich gibt und solch eine verkürzte Kritik an der Asylpolitik Deutschlands übt, hat nichts von den unzähligen Problemen verstanden, die zurzeit in Europa, weiten Teilen Afrikas und Westasien bestehen! Es ist nur eine Frage von Stunden, bis diesem verschärften Ton erneut hasserfüllte Taten folgen und diese Taten werden sich wie so oft gegen die muslimischen Geflüchteten richten, die gerade wegen des Kriegs und Terrors unvorstellbar lange und gefährliche Wege nach Europa gekommen sind. Es liegt an uns, dieser rassistischen Hetze entgegenzutreten und uns solidarisch zu zeigen!

Welche politischen Folgen die Anschläge von Paris haben werden, lässt sich noch kaum abschätzen. Zu viele Fragen sind offen, nach den Attentätern, nach ihren Motiven, nach ihren Verbindungen. Auch ob das Bataclan zum Ziel wurde, weil es jüdische Besitzer*innen hat und bereits zuvor bedroht wurde. Ob die am 13.11. dort spielenden Eagles of Death Metal, die von der zum Boykott israelischer und Produkte aufrufenden BDS-Bewegung vor ihrer gerade beendeten Israel-Tournee unter Druck gesetzt wurden, zufällig ausgewählt oder Ziel antisemitischer Gewalt waren. Das alles muss noch geklärt werden. Wir sehen aber mit Grauen, dass die Anschläge zu noch mehr Rassismus und Islamophobie in Europa führen werden – und damit ebenso dem IS wie auch rechtsradikalen Kräften in die Hände spielen. Beide halten das wahnhafte Narrativ aufrecht, es gebe einen „Kampf der Kulturen“, in dem „der Westen“ und „der Islam“ sich gegenüberstünden. Die Unterschiede zwischen rassistischen Gruppen wie der Pegida-Bewegung und dem IS sind groß, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: Ihr Weltbild baut auf menschenfeindlicher Ideologie! Sie wollen die Freiheit abschaffen, von der wir sagen, dass sie noch lange nicht groß genug ist. Setzen wir uns also ein gegen diese menschenverachtenden Lehren und helfen wir denen, die unter ihnen leiden! Denn antifaschistische Arbeit heißt, keinen Kompromiss mit jedweder Form von Barbarei einzugehen!

Fuck Nazis! Fuck IS! Refugees welcome! Et vive la liberté!

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